„Es geht um pure Freude“ – Jeffrey Staten im Interview

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Jeffrey Staten ist bekannt als Soulsänger und Geschäftsführer seiner Eventagentur. Nun hat er ein neues Projekt aus der Wiege gehoben. Seinen langjährigen Traum von einem Gospelchor hat er Wirklichkeit werden lassen und hat bereits am 28. März mit der Neugründung „Voices United“ in der Kirche Ihringshausen seinen ersten Auftritt. Thomas Wirth hat ihn getroffen und mit ihm über seine Musik, sein Leben und seine Träume gesprochen.

Hallo Jeffrey, vielen Dank für das Interview. Du bist ein Sänger mit Leib und Seele. Wie lange machst du schon Musik?

Jeffrey: Die allererste Berührung mit der Musik hatte ich, als ich drei Jahre alt war. Ich bin das älteste von fünf Kindern und bin mit meiner Mutter immer zur Chorprobe gegangen. Dort habe ich mir jedes Lied eingeprägt. Da gab es dann ein Schlüsselereignis. Meine Mutter hat einen Gospelsong in der Kirche gesungen und ich habe unten mitgesungen. Als sie aufgehört hat, habe ich weitergesungen. Das war der Moment, in dem sie mich in den Chor geholt hat. Nur, weil ich so unartig war und unten mitgesungen habe, hat sie mich nach oben geholt. Ich weiß es noch wie heute. Der Pfarrer drehte sich zu mir um und sagte: „Sing, Baby, Sing.“

Später warst du als Discjockey tätig.

Jeffrey: Ja, meine ersten Erfahrungen in diesem Bereich habe ich in den frühen 80ern in der Funk’n’Soul-Discothek Last Penny gesammelt. Das war etwas ganz Neues für mich, denn ich hatte noch nie in diesem Bereich gearbeitet. Der damalige DJ war einmal nicht da und aus der Not heraus hatte mich der Geschäftsführer gefragt, ob ich Musik machen könne. Daraufhin antwortete ich: „Ja, natürlich. Sag mir nur, wie es geht.“ Der Titel „Discjockey“ hat mir allerdings niemals viel bedeutet. Ich war nur der kleine Junge mit der großen Klappe. Ich habe dann angefangen zu rappen und zu singen. Das gab es damals noch nicht: Ein DJ, der singt. Aber den Leuten gefiel es. Im Odeon habe ich dann mit Detlef Lütte zusammengearbeitet. Er war zuständig für die Top 40 und ich für Funk’n’Soul. Daraufhin wurde ich vom Hippodrome abgeworben. Nach einem Auftritt auf dem Stadtfest Kassel wurde ich entdeckt und zum Vorsingen eingeladen. Mit dem Hit „In Zaire“ von Johnny Wakelin gelang dann die Neuauflage eines Megahits, mit dem ich sechs Monate später auf Platz 3 der Charts stand. So spielt das Leben.

Wie ging es dann weiter?

Jeffrey: „In Zaire“ war ein Gemeinschaftsprojekt mit der Gruppe Round One. Wegen vertraglicher Unstimmigkeiten haben wir uns getrennt. Ich machte dann noch weitere Coverssongs, aber irgendwann hatte ich keine Lust mehr, es hat keinen Spaß mehr gemacht. Mir fehlten die kreativen Freiheiten. Später bin ich beruflich nach Holland gezogen und fing langsam wieder an, Musik zu machen.

Du hast eine Band, die Staten Island Band. Wie lange existiert diese Formierung bereits?

Jeffrey: 2008 wurde sie gegründet.

Wo tretet ihr überall auf? Seid ihr regional ausgerichtet oder eher internationaler?

Jeffrey: Aktuell haben wir aufgrund meiner anderen Projekte eine kleine Pause eingelegt, aber bereits nächsten Monat geht es wieder los. Wir treten zum Beispiel in Holland und Österreich auf.

Wie groß ist dein Repertoire an Songs?

Jeffrey: Mein Repertoire reicht von Frank Sinatra bis Luther Vandross und zahllose Gospelsongs natürlich. Ich kann alles singen, in einem weiten Bereich.

Welche Musiker haben dich ursprünglich inspiriert? Hast du Vorbilder?

Jeffrey: Im Gospel haben mich viele Musiker inspiriert. Da gab es eine alte Gruppe, The Dixie Hummingbirds, das waren vier Sänger mit einer Wahnsinns-Harmonie. Die habe ich bereits als kleines Kind gehört. Mahalia Jackson war sozusagen die Königin der Gospel-Musik in der Martin Luther King-Ära. Dann sind da noch die Five Blind Boys of Mississippi und Aretha Franklin, die in der damaligen Zeit auch Gospel gesungen hat. Und natürlich meine Mutter. Meine Mutter war einzigartig. Das sage ich nicht nur, weil sie meine Mutter ist. Sie war wirklich eine starke Gospelsängerin. Nach dem Abendessen hat sie uns Kindern immer die Hamonien beigebracht.

Du sagst, dass du dir mit dem Gospelprojekt einen Traum erfüllt hast. Wie lange hattest du das Vorhaben im Kopf?

Jeffrey: Gospel war immer da, es ist nie weggegangen. Mit meinem Kollegen Uwe Welsch, auch bekannt als Mr. Brown, habe ich schon vor ein paar Jahren über meine Vision gesprochen, den Gospel hierher zu bringen, damit es präsent wird und die Leute es richtig genießen können. Es ist in mir. Es ist etwas, was nie weg war. Die Planung läuft jetzt etwa drei bis vier Jahre. Der feste Entschluss ist vor ein bis zwei Jahren gefallen. Da habe ich dann gesagt: „Ja, jetzt mache ich das.“

Ist Uwe Welsch Mitveranstalter?
Jeffrey: Nein, das nicht. Aber ich bekomme unheimlich viele Ideen von ihm. Es gibt wenige Leute, egal ob Deutsche oder Amerikaner, schwarz oder weiß, die mehr über Soulmusik oder das originale Gospel wissen als Uwe. Wir befinden uns auf gleicher Ebene, wir haben beide eine gewisse musikalische Sensibilität. Uwe wird am 28. März moderieren und noch einiges über die Geschichte des Gospel erzählen. Da alle Lieder an diesem Abend auf englisch gesungen werden, wird er außerdem einiges über den Hintergrund der Songs preisgeben.

Erzähl etwas von der Entstehung deines Gospelchors, der Voices United. Wie habt ihr zusammengefunden?

Jeffrey: Mit meiner Idee bin ich zu Yvonne Prekop von Kreativ Marketing gegangen. Gemeinsam haben wir ein Vorsingen arrangiert. Dabei musste nicht jeder die beste Stimme haben, ich wollte einfach etwas fühlen. Das ist das Wichtigste. Alles andere kann man lernen. Viele Menschen glauben, dass nur schwarze Musiker Gospel singen können. Das stimmt aber nicht. Das werden die Besucher des Konzertes auch hören. Durch das Vorsingen konnten wir eine Grund-Chorgruppe zusammenstellen und es sind mehr und mehr dazugekommen. Wir proben in der Kirche Fuldatal-Ihringshausen. Wir waren sehr dankbar, dass die Kirche das zugelassen hat. Der Ort ist jetzt sowas wie unsere Heimat als Chor geworden. Dort soll nun auch das allererste Konzert stattfinden.

Was ist dein Ziel? Was möchtest du mit dem Projekt erreichen? Worum geht es in erster Linie?

Jeffrey: Es geht nicht um Jeffrey. Es ist geht darum, den Gospel zu vermitteln. Und ich glaube fest daran, dass das Gospel-Projekt international wird. Es geht nicht um Geld. Es geht um pure Freude. Das habe ich dem Chor vermittelt und die Teilnehmer geben mir dasselbe zurück. Ich arbeite bei diesem Projekt zusammen mit dem Pianisten Roland Oumard und dem Bassisten Ben Smith. Roland sagte: „Zuerst wusste ich nicht, was mich erwartet, aber nun bin ich mit Haut und Haaren dabei.“ Das ist das, was Gospel tut. Man muss dafür nicht einmal gläubig sein. Ich weiß auch nicht, ob es Gott gibt. Das ist das, was ich damit sagen möchte. Es geht nicht um Jeffrey, es geht um das Gefühl. Und ich glaube, viele Menschen damit erreichen zu können.

Habt ihr bereits weitere Auftritte in Planung?

Jeffrey: Ein Traum von mir ist, in der Martinskirche aufzutreten. Ich habe noch keinen Kontakt aufgebaut, da ich meine ganze Energie in das erste Konzert gesteckt habe. Es ist noch vieles in Planung.

Zurück zu deinem Soulprojekt. Hast du dort auch etwas in Planung? Können wir uns auf Auftritte freuen?

Jeffrey: Natürlich, nächsten Monat trete ich mit meiner Band in der Schilde-Halle in Bad Hersfeld auf. Außerdem werden Stolle und seine Band sowie die Soulettes dabei sein. Danach haben wir einen Auftritt auf dem Stadtfest Nordhausen in Thüringen, dann kommen wir auch wieder nach Baunatal und Kassel. Danach folgen noch einige Konzerte in Holland.

Worauf basiert dein Programm? Singst du Cover oder auch auch selbst geschriebene Songs?

Jeffrey: Ich mache beides, sowohl Cover als auch eigene Lieder.

Welchen Stellenwert hat die Musik in deinem Leben?

Jeffrey: Musik ist alles. Sie ist etwas, was dir niemand wegnehmen kann. Auch wenn ich nicht mehr singen kann, kann ich noch summen. Ob ich traurig oder glücklich bin, Musik ist so wichtig wie das Essen. Sie ist einer der Grundsteine meiner Familie. Nicht nur ich habe es im Blut, auch in meiner Familie väterlicher Seite singen alle. Meine Mutter hat mir einmal gesagt: „Jeffrey, du singst, weil es bei dir in den Genen steckt und irgendwann wirst du fühlen, was du singst.“ Es gibt Millionen von Typen, die vielleicht eine bessere Stimme haben, aber nicht jeder singt von Innen heraus. Das ist das, was man fühlt. Es ist egal, wie man aussieht oder gekleidet ist. Es ist mir wichtig, dass ich etwas fühle. Und wenn ich etwas fühle, hoffe ich, dass es jemanden erreicht.

Du hast eine eigene Eventagentur. Hast du auch Musiker unter Vertrag?

Jeffrey: Unter Vertrag nicht, aber ich habe Zugang zu sehr vielen Musikern. Unter Vertrag möchte ich auch niemanden haben. Es ist mir wichtig, dass es Spaß macht und von Herzen kommt. Bei Verträgen ist man immer sehr gebunden. Ich möchte die Musik fördern. Das ist mir sehr wichtig.

Welche Größenordung haben die Veranstaltungen, die du planst?

Jeffrey: Bis jetzt war die größte Veranstaltung, die ich geplant habe, eine für 700 Personen. Ich möchte etwas anbieten für den kleinen Mann, der nicht soviel Geld hat, als auch für große Firmen.

Erzähl uns etwas über deine Bandprojekte. Wieviel Mitglieder hat deine Staten Island Band?

Jeffrey: Wir sind insgesamt neun und setzen uns zusammen aus fünf Musikern, drei Sängerinnen und mir. Außerdem habe ich noch eine Frauenband, die Soulettes. Die drei Frauen singen alles von The Supremes bis Beyoncé.

Was sind deine persönlichen musikalischen Vorlieben? Singst du lieber Gospel oder Soul?

Jeffrey: Meine erste Liebe wird immer der Gospel sein.

Wird es eine CD von dir geben?

Jeffrey: Ich bin gerade im Studio mit eigenen Produktionen und schreibe mit verschiedenen Musikern an neuen Songs, die dann später auch von der Staten Island Band gesungen werden.

Eine letzte Frage: Was ist Soul? Was ist Gospel? Was bedeutet es? Was für ein Gefühl vermittelt es?

Jeffrey: Das Beste, was ich dazu sagen kann, ist Folgendes: Soul und Rock’n’Roll sind Kinder von Gospel. Alles kommt davon und alles ist dort entstanden. Gospel und Soul geht direkt in die Seele. Es ist ein Gefühl. Gospel heißt übersetzt „Good News“. Es wird eine „gute Botschaft“ vermittelt. Für mich ist ein Gospelsong wie pures Glück. Es ist ein überwältigendes Gefühl.

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