„Film-Shop wird zu einem Kulturort“ – Videothekar Eckhard Baum im Interview

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Eckhard Baum in seinem Film-Shop in der Erzberger Straße 12. Bis heute stehen unzählige Raritäten in den Regalen. (Foto: Wirth)

Kassel. Vor 42 Jahren eröffnete Eckhard Baum in Kassel die erste Videothek der Welt. Aus purer Leidenschaft begann der mittlerweile im Guinness-Buch der Rekorde verzeichnete Kasseler damals mit einem Videoverleih auf gerade einmal 20 Quadratmetern. Jetzt ist er einer der Letzten, die noch den Verleihbetrieb aufrecht erhalten.

Herr Baum, vielen Dank, dass Sie sich Zeit für ein kurzes Interview genommen haben. Ihren ersten Filmverleih haben Sie in der Fuldatalstraße eröffnet. Wie lange hatten Sie das Ladengeschäft?

„Den kleinen Laden in der Fuldatalstraße hatten wir die ersten drei Jahre. Dann wurde es zu eng. Es kamen so viele Leute, die meine Super-8-Filme ausgeliehen oder gekauft haben, dass wir uns nach einem größeren Geschäft umsehen mussten. Das haben wir dann mit den Räumen in der Erzberger Straße gefunden, wo wir bis heute geblieben sind. Hier haben wir 200 Quadratmeter.“

Dieses Schild befindet sich heute am Gebäude des damaligen Filmshops in der Fuldatalstraße. (Foto: Wirth)

Mit wieviel Filmen haben Sie angefangen?

Beim Start hatte ich etwa 400-500 Super-8-Filme. Davon habe ich heute noch mindestens 200.

Ich kann mich erinnern, dass es vor 20-30 Jahren noch zahlreiche Videotheken in Kassel gab. Nun ist der Film-Shop eine der letzten.

Ende 80er Anfang 90er gab es 75 Videotheken in Kassel und Umgebung. Drei sind noch übrig geblieben.

In den 90ern kamen dann die Videoketten. Wie hat sich das auf Ihr Geschäft ausgewirkt?

Die Ketten haben die Preise bis auf 50 Cent pro Film und Tag gedrückt und damit die ganzen Einnahmen kaputt gemacht. Da mussten wir mitziehen, um konkurrenzfähig zu bleiben. Das kostete uns eine Menge Geld.

Noch schlimmer stelle ich mir die neue Konkurrenz wie Netflix für eine kleine Videothek vor.

Das ist der Tod von allen Videotheken. Wer jetzt noch auf dem Markt ist, wird nicht mehr lange bleiben. Ich habe immer gesagt, ich war der Erste auf dem Markt und möchte auch der Letzte sein.

Vor kurzer Zeit gab es ein Crowdfunding für den Film-Shop, das der Verein Randfilm gestartet hatte.

Das ist ein Kulturverein aus Kassel, bestehend aus jungen Leuten, die sich sehr viel Mühe geben, den Laden ab Oktober in veränderter Form weiterzuführen mit Bistro, Veranstaltungen, aber auch Verleih. Der Film-Shop wird zu einem Kulturort für die Nordstadt. Ich erachte es als sehr wichtig, dass so eine Institution bestehen bleibt.

Bis heute ein Geheimtipp für Filmfans: der Film-Shop in der Erzberger Straße.

Stehen Sie auch weiterhin hinter dem Tresen?

Ich habe dem Verein angeboten, ehrenamtlich ein- oder zweimal die Woche tätig zu sein, damit ich meine Kunden mal wieder sehe. Das ganze Inventar lasse ich denen. Sie zahlen mir nach und nach etwas für das Inventar, aber erstmal können sie direkt einsteigen.

Zu guter Letzt: Möchten Sie noch einige Worte an unsere Leser richten?

Ich würde mich freuen, wenn unsere Kunden verstärkt diese Videothek besuchen würden, um diese Videothek am Leben zu erhalten. Die Filminteressierten sollen nicht nur vor dem Fernseher und Internet sitzen, sondern auch vorbeikommen und sich einen schönen Film ausleihen. Wir haben 14.000 Filme, da ist für jeden Geschmack, von den Raritäten bis zu den Neuheiten, alles da.

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